Ruhrcacher Blog

Januar 18, 2009

Better Backpacking: Interrail-Training

Filed under: Backpacking, Tutorial — Schlagwörter: , , , — ruhrcacher @ 18:29

Hier eine etwas ältere Publikation aus meiner Feder. Dieses Tutorial entstand als kleiner Denkanstoss für alle Neu-Backpacker. Das war zu einer Zeit, in der ich in diversen Interrail-Foren aktiv war. Dort werden vor der ersten eigenen Reise im immer wieder die gleichen Fragen gestellt: Was erwartet mich, was muss ich mitnehmen, wie bereite ich mich vor.
Darauf hin habe ich nach einigen tausend gefahrenden Kilometer diesen kurzen Text veröffentlicht (in den Foren und auf meiner privaten Homepage).

InterRail-Training

Es soll Leute geben, die werfen vor einem Interrail-Trip ein paar Sachen in den Rucksack, kaufen sich das Ticket und setzten sich in den nächsten Zug. Dann bringen sie es noch locker fertig einen Monatstrip quer über den Kontinent zu managen. Andere hingegen sind vor einen Trip hypernervös und wollen alles bis in letztes Detail planen.
Besonders vor der ersten Reise fragt man sich, ob man für’s Rucksackreisen geschaffen ist und wie man die Wochen fern vom eigenen Bett überleben soll.
Dieser Ratgeber soll Newbies eine kurze Einführung drin geben, wie man sich physisch und mental auf so einen Trip vorbereiten könnte. Bitte nehmt das hier alles nicht zu ernst, es wirkt wirklich etwas übertrieben.
Aber ich schreiben ihn, weil es wirklich verschiedene „Railer-Typen“ gibt: Denn Rundum-Sorglos-Railer, der nur in Hostel übernachtet und bei Mackes isst, und die Abenteurer, die mit dem Zelt unterwegs sind und sich ihr Süppchen zum auslöffeln selbst einbrocken. Wer sich zum ersten Typ zählt, darf den ersten Abschnitt getrost überspringen…


Abschnitt A

Gut, Du wählst also die Freiheit und willst ungebunden mit Rucksack, Schlafsack und Zelt unterwegs sein. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Nahtod-Erfahrung J Just Kiddin‘!
Wer aber wirklich vorher noch nie campen war, wird sich unter Umständen etwas hilflos fühlen, wenn er oder sie sich im Zeltgestänge verheddert hat, nach der ersten Nacht von Rückenschmerzen geplagt wird oder rohe Nudeln spachteln muss. Ok, ok, das alles sind die Momente, die man nur mit viel Humor nehmen kann.
Und das ist auch gleich die erste und zweite Regel:
1. Humor ist wenn man trotzdem lacht! 2. Hinterher ist man immer schlauer.
Deshalb wollen wir nun 3. vorbeugen, ist besser als sich auf die Schuhe kleckern, und uns mit der Ausrüstung vertraut machen.

Der Schlafsack wird für die kommenden Wochen euer Bett sein. Er ist warm, kuschelig und besser als nichts. Aber es gibt kein Zimmerservice, man isst nicht drin und teilt sich ihn nur mit Leuten, die man wirklich mag.
Damit wäre eigentlich auch schon alles gesagt. Probiert doch mal vorher aus, ob ihr auch wirklich wohl darin fühlt. Leute mit Platzangst oder ausgeprägten Bewegungsdrang werden zunächst Beklemmungen fühlen. Aber glaubt mir, wenn man nach einen aufregenden Tag so richtig müde ist, werdet ihr darin die süßesten Träume haben.
Als Vorbereitung schlage ich also vor, einfach mal ein paar Nächte darin zu schlafen. Erst im eigenen Bett, dann davor und letztlich auf dem Balkon oder bei geöffneten Fenster. Denn viele Railern ist schlichtweg zu warm oder kalt, weil sie sich zu warm oder zu luftig anziehen. Am bequemsten und vorteilhaftesten ist sich ein Jogginganzug ö.ä. Unverzichtbar sind Socken gegen kalte Füße und eine Kopfbedeckung, wenn man direkt unter dem Sternenhimmel campiert.

Das Zelt sind eure eigenen vier Wände. Eng, ungeheizt und dünn wie Papier. Aber es schützt euch vor Wind, Regen, Getier und neugierigen Blicken. Also ist eminent wichtig, es problemlos auf- und abbauen zu können. Baut es vor jeder – nicht nur vor der ersten – Tour auf, lasst es ordentlich durchlüften und prüft es auf Beschädigungen. Es ist trotz der ersten Regel nicht komsich, im Dunklen erst einmal die Gebrauchsanleitung auf schwedisch entziffern zu müssen und dann festzustellen, dass die Teile A, D und Q fehlen. Wenn ihr solche Masochisten seit, geht nach IKEA!
Mit dem Zelt vertraut machen heißt, es einige Male auf- und abzubauen. Geht nach draußen in den Garten oder in Park und versucht euer Glück. Aber in aller Ruhe, denn 4. Regel: Wir sind im Urlaub, nicht auf der Flucht. Manchmal steht man aber etwas unter Druck, dann muss mein Zelt auch zügig in der Dämmerung oder im Platzregen aufbauen können. Übt auch dies, abends oder im abgedunkelten Zimmer. Ihr werdet mir dankbar sein.

Wer unterwegs auf ein Vier-Gänge-Menü nicht verzichten will, aber chronisch pleite ist, kommt nicht umhin selbst den Kochlöffel zu schwingen. Manche Zeitgenossen scheitern schon am Aufreisen der
Tütensuppe oder zerlegen Mutters Küche beim Versuch sich ein Spiegelei zu braten. Zugeben, unterwegs hat man seltenst eine Profiküche á la Biolek zur Verfügung. Wenn man(n) sich aber auf die minimalistische Bedingungen einlässt, kann trotzdem ganz passabel schmecken.
Es klingt wirklich übertrieben, aber versucht doch mal zu Hause eine ganze Mahlzeit auf eurem Spirituskocher zu zubereiten, nur mit dem Ausrüstungsgegenständen, die ihr auch unterwegs zur Verfügung habt. Geschafft? Dann ab in die freie Natur zum Picknick. Es ist immer noch etwas anderes bei leichten Wind im Gras zu knien und dort mit den Töpfen zu klappern.

So, das war das wichtigste. Ich hoffe ich habe euch euer Fernweh nicht zerstört.
Denkt nun selbst noch mal darüber nach, was euch unterwegs Schwierigkeiten bereiten könnte:
Wäsche waschen, Knöpfe annähen oder andere Alltagsgeschäfte, die zu Hause nicht der Rede wert sind. Nach eurer ersten Tour werdet ihr feststellen, 2. Regel !, dass die neugewonnene Freiheit auch Unabhängigkeit und Verantwortung bedeutet.
Genug geschwafelt, wenden wir uns nun dem Railer-Alltag im Allgemeinen zu…

Abschnitt B

Der Rucksack
Auf einer Interrail-Tour lebt mach wortwörtlich aus dem Rucksack, eurem besten Stück. Viel wird darüber debattiert, wie groß und schwer er zu sein hat und wie er optimal zu packen ist.
Mein Vorschlag: Probiert es aus. Fünfte Regel: Probieren geht über Studieren.
Stopft alles rein, was ihr vorhabt mitzunehmen, und ab damit in Bus und Bahn. Nehmt euren prall gefüllten Sack dich einfach mal mit zur Arbeit, zur Uni oder wo der Pfeffer wächst. Ihr werdet spüren, ob ihr optimal gepackt habt. Er sollte bequem längere Zeit zu tragen sein, euch nicht nach hinten ziehen und nicht beim sonderlich behindern. Verstellt dazu einfach mal die Gurte. Der Rucksack muss auf euch und ausschließlich auf euch
angepasst sein, denn 6.: Jeder hat sein eigenes Bündel zu tragen.
Versucht auch mal ob ihr es ihn ins Gepäckfach hieven oder in Schließfächern verstauen könnt.
Wenn ihr mit euren Feldversuchen fertig seit, packt die Hälfte wieder aus und ihr habt die optimale Zusammenstellung. Alte Globetrotter-Weisheit und 7. Regel: Die Augen sind immer größer als der Koffer.

Das Kursbuch
Auch ein leidiges Thema im IR-Forum ist der Sinn und Unsinn von Kursbüchern: Braucht man die wirklich, welches ist besser, geht es auch ohne! Dazu will ich mich nicht äußern.
Wer nun ein Kursbuch mitnehmen will, sollte auch damit umgehen können. Das Tabellenwerk ist wirklich nicht so spannend wie der neue Thriller von Dan Brown, nicht so gut geordnet wie ein Telefonbuch und so selbsterklärend wie eine deutsche Steuererklärung.
Dann mal los. Fangt mal mit den einfachen Verbindungen an wie Berlin – München, Stockholm – Oslo, Madrid – Barcelona. Wenn ihr draufhabt, wie man am schnellsten, kostengünstigen oder bequemsten von A nach B kommt, wagt euch auch an die Nebenlinien, die an jeder Milchkanne halten.
Man besten macht ihr ein Spiel daraus.

Wenn ihr schon so schön spielt, dann nehmt auch doch auch mal fremde Sprachen vor. Es zeugt von Höflichkeit und kultureller Intelligenz, wenigsten die wichtigsten Wörter und Floskeln in der Sprache des Ziellandes zu beherrschen. Niemand kann bestreiten, dass es ungemein nützlich ist, zu wisssen was Zug, Zuschlag, Gleis, Abfahrt, Ankunft, Bahnhof, Reservierung ö.ä. auf ausländisch heißt.
Notfalls kann man sich immer noch mit Händen und Füßen verständigen. Zeit zum Pantomime spielen!

Was behalten wir den nun am Ende dieses kleine Ratgebers übrig? Richtig, eine Sammlung abgedroschener Sprichwörter!
1. Humor ist wenn man trotzdem lacht!
2. Hinterher ist man immer schlauer.
3. Vorbeugen, ist besser als sich auf die Schuhe kleckern.
4. Wir sind im Urlaub, nicht auf der Flucht.
5. Probieren geht über Studieren.
6. Jeder hat sein eigenes Bündel zu tragen.
7. Die Augen sind immer größer als der Koffer

So long, viel Spaß und Bon Voyage!

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1 Kommentar

  1. Ich bin einer der durchorganisierten Backpacker, die Deluxe-Variante des Campingkochers, der bequeme Rucksack und die Auslandskrankenversicherung immer mit dabei. Gerade letzteres ist bei einem Monat InterRail durch Europa meiner Meinung nach unverzichtlich, denn so manches Zipperlein kann beim InterRail Trip zum ECHTEN Problem werden. Bei mir war es eine Bindehautentzündung, die im Zug nicht wirklich heilte. Ich war froh in Ungarn ein schnell helfendes Mittel im Krankenhaus zu bekommen. Also auch wenn es spießig ist: Für 9 Euro ne Reiseversicherung ist echt nicht unnütz!

    Kommentar von InterRail Urlaub in Europa — Mai 10, 2011 @ 11:57


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